Fasten

Fasten für Körper und Seele - Sieben Tage ohne... ohne was eigentlich?

Busy, busy, busy, und stolz darauf. Zu oft messen wir unseren Erfolg daran, wie viele Überstunden wir machen, wie wenig Zeit fürs Essen wir haben und wie viele Meetings wir in einen Tag quetschen können. Ich bin auch so eine. Nicht Burn-out, sondern Burn-on, Dauerstress und ja, keine Zeit zum Langweilen aufkommen lassen. Dass das, nicht ewig gut geht, und man sich dabei auch nicht wohl fühlt, ist klar.

Weil ich ein Mensch der Extreme bin, sind auch meine Auszeiten und Versuche, meinem Körper und Geist etwas Gutes zu tun, ein bisschen extrem. Seit 10 Jahren faste ich regelmäßig, ein bis zwei Mal im Jahr, zwischen 10 und 14 Tagen, nach Dr. Otto Buchinger Art. Das bedeutet kein Essen, keine koffeinierten Getränke, nur Wasser und Tee. Klare Gemüsebrühen ab und an, vielleicht wenn nötig.

Was bringt mir das? Ruhe, würde ich zuerst sagen. Der Körper schaltet vom gefühlt sechsten Gang als BMW-Fahrer:in auf der Autobahn zum ersten Gang als Trabi-Fahrer:in auf der rechten Spur. Die Gedankenwelt bekommt genauso wie der Körper eine Art Frühjahrsputz. Es ist nicht immer angenehm; die ein oder andere düstere Ecke verbirgt mehr als Spinnweben und Futtervorräte der Arachniden, manchmal hat man da üble Karteileichen liegen. Für mich persönlich ist das Nicht-Essen immer die geringste Herausforderung. Mit guter Vorbereitung ist diese Hürde leicht zu überwinden. Mal wieder in eine tiefere Verbindung mit sich selbst zu treten, das kann schon mal ganz schön ernüchternd wirken. Oder wie ich es an Tag 5 meines letzten Fastens zu einem Mitfastenden sagte: Da ist viel zu viel ICH in meinem Hotelzimmer.

Es folgt ein Erfahrungsbericht. Ich bin keine Expertin. Noch propagiere ich eine One-fits-All-Lösung für alle geistigen und körperlichen Probleme. Vielmehr möchte ich teilen, was mir das Fasten bringt und wie sehr mich das holistische soYou-Konzept an diese Erfahrungen erinnerte, als ich es kennenlernte.

Von den antiken Traditionen des Christentums oder Hinduismus bis zu modernen Ansätzen des Heilfastens in Kliniken unter medizinischer Beobachtung – Fasten hat sich in viele verschiedene Richtungen entwickelt. Seine Akzeptanz im Kontext der Bekämpfung verschiedener Krankheitsbilder ist stets umstritten. Erst 2016 erhielt Yoshinori Ohsumi den Medizin-Nobelpreis, als er zeigte, wie unsere Zellen durch Fasten angeregt werden, Autophagie zu betreiben – eine Art Abbau und Recycling von ungewollten Zellteilen. Es gibt also eine wissenschaftliche Grundlage für die positiven Effekte, die sowohl gesunde als auch kranke Menschen während und nach dem Fasten beschreiben. Es gibt nicht viele Studien; überraschenderweise haben die großen Pharmakonzerne kein Interesse daran, diese zu finanzieren. Dennoch gibt es Länder, deren Gesundheitsvorsorge das klinische Heilfasten akzeptiert, Russland zum Beispiel.

Wichtig ist es mir, nur einige wenige Fakten vorab zu klären: Fasten ist keine Null-Diät. Es ist nichts, womit man einfach mal ein paar Kilos abnehmen kann. Keine Diätform, die ohne Hürden im Alltag neben anderen gelebt werden kann. Fasten bedeutet, seine Nahrungsaufnahme einzustellen – ein intensiver Eingriff in unser körperliches und seelisches Leben. Nichts, was unmöglich ist, denn unsere Körper kennen den Prozess und wissen, was zu tun ist, während des Fastens. Jedoch bedarf es einer gesundheitlichen Vorprüfung, eines genauen Plans, der so unangenehme Aspekte wie Glaubern und Einläufe umfasst. Es braucht Abbau- und Aufbautage, das benötigt viel Grundwissen, und es braucht Zeit, Ruhe und Raum.

Die lokale Bibliothek, Naturheilpraktiker:innen, Google-Suchen, Mediziner:innen – es gibt genug Quellen, um sich Wissen anzueignen. Diesen Erfahrungsbericht zu lesen, kann nur der Anfang einer spannenden Reise sein.

Tag 0: Ein langsamer Start im Fastenhotel

Mit dem festen Entschluss, meinem Körper und Geist eine Auszeit zu gönnen, beginnt meine Fastenreise. Am 31.12.23, ja ich weiß. Wer auch immer mit mir gemeinsam an diesem Tag dieselbe Reise antritt, der muss schon mal mindestens ein wenig durchgeknallt sein. Der erste Tag ist ein Abschied vom Essen. Gedünstetes Gemüse. Vor einer Woche schon habe ich den Kaffee sein lassen, Alkohol vor 3 Tagen. Man lernt die Gruppe kennen und verabschiedet sich vom alten Jahr mit einem alkoholfreien Sekt.

Tag 1: Erst leer sein, dann schauen, womit man die Leere füllen möchte

Der erste Tag verläuft überraschend problemlos. Die Morgenroutine ohne Frühstück fühlt sich ungewohnt an, aber der Fokus liegt auf der bevorstehenden Reinigung und Regeneration. Das Glaubern ist kein angenehmer Prozess, aber notwendig. Man verbringt einige unbequeme Stunden zwischen Bad und Bett, nachdem man das eklige Zeug hastig und mit viel Apfelsaft hinterher runterwürgt. Tatsächlich ist der Kurort, in dem ich bin, eine der Glaubersalzquellen Deutschlands. Ohne diese Leere im Verdauungstrakt zu erzeugen, steigt die Gefahr der negativen Fastenbegleiterscheinungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, etc. um ein Vielfaches. Ich werde noch zwei Mal Nachglaubern. Denn besonders mit Übelkeit habe ich bei diesem Fasten zu kämpfen.

Tag 2: Beschäftigung suchen

Mit dem zweiten Tag zieht ein leichter Hunger in meinen Magen ein. Die Verlockung, zur gewohnten Zeit etwas zu essen, ist auf jeden Fall präsent. Besonders, da wir uns als Gruppe drei Mal am Tag an der Fastentafel einfinden. Zu Brühen und allerlei Tees und Wasser. Die Unterstützung durch Wasser und Kräutertees hilft tatsächlich, das Verlangen zu überwinden. Ein überraschender Nebeneffekt: Die Sinne scheinen schärfer zu werden. Was dazu führen wird, dass ich bald die täglich frisch gekochte Brühe verweigere, viel zu intensiv. Heute schrieb ich auch meinen Bruder an und fragte, was man denn so macht im Urlaub. Hier ist ja nix zu tun!? Gut, dass wir Fastenwandertouren machen.

Tag 3: Emotionale Achterbahn

Der Körper schaltet von der Energiegewinnung aus Kohlenhydraten auf die Verbrennung von Fett um und Muskelabbau, wenn man nicht aufpasst. Die anfängliche Müdigkeit weicht einem erstaunlichen Gefühl der Klarheit. Der Verzicht auf feste Nahrung wird zur Meditation für Körper und Seele. Klingt wie die Bewerbung einer zweifelhaften Sekte, ist aber wahr. Lieb wäre mir nur, wenn die ganze Gruppe nicht drei Mal täglich nur über Essen sprechen würde. Das macht es für mich nicht einfacher, in andere Gefilde abzutauchen.

Tag 4: Der Körper spricht

Die Mitte der Fastenwoche ist erreicht, und mein Gemütszustand schwankt zwischen Energie und einem Gefühl der Schwäche. Blöd, dass mein Zimmer im dritten Stock des Altbaus liegt. Diese Treppen werden bald die größte Herausforderung des Fastenurlaubs. Es ist erstaunlich, wie stark emotionale Muster mit dem Essverhalten verbunden sind. Die Herausforderung besteht darin, diese Muster bewusst zu erkennen und zu durchbrechen. Ich beginne an die Zeit nach dem Fasten zu denken. Zum ersten Mal seit langem freue ich mich darauf zu kochen. Ich schließe eine Mitgliedschaft auf einer online-Kochplattform ab und genieße den Gedanken an gutes Essen und die Wiederentdeckung meines Appetits.

Tag 5: Die innere Ruhe

Am fünften Tag beginnt der Körper, sich selbst zu reinigen. Ein Gefühl der Leichtigkeit breitet sich aus, begleitet von erstaunlicher mentaler Klarheit. Das Hungergefühl ist verschwunden, und die Sicht auf Essen, den eigenen Lifestyle, gewisse Problematiken ändert sich. Während der vorletzten Etappe der Fastenreise kehrt eine tiefe Ruhe ein. Ich nenne es meine Zen Zone. Meditation kann ich nicht. Fasten, das bringt mich dahin, wo andere durch Meditation hinkommen. Das Wandern ist richtig anstrengend, viele Pausen, viel Schnaufen. Nur gut, dass Massagen und Thermenbesuche zur Fastenwoche gehören. Der Fokus liegt auf der Entgiftung, und der Körper scheint in einen Selbstheilungsmodus zu schalten. Stark, auf eine nebulöse Art, die schwer erklärbar ist. Multitasking ist nicht, aber alles, was man tut, tut man mit unglaublicher Achtsamkeit.

Tag 6: Das Ziel in Sicht

Ich zähle tatsächlich die Stunden hin zu meiner Abreise. Nicht, weil ich unglücklich bin oder es mir schlecht geht. Im Gegenteil, ein letzter 4-stündiger Wanderausflug zur höchsten Aussichtsplattform war das Highlight des Tages. Aber ich bin empfindlich. Die Gerüche der Brühe, die Teesorten, die Matratze im Hotelbett, es ist alles nicht mein Optimum. Zuhause riecht es besser, meine Teesorten sind leckerer und ich brauche mehr als ein Zimmer für mich. Ich bin bereit, den Gruppenkontext zu verlassen, und unglaublich dankbar für die Gespräche und Menschen, die ich kennengelernt habe. Den Rest des Weges will ich allein gehen.

Tag 7: Das Ende der Reise

Die letzte Etappe meiner Fastenreise im Hotel, in der Gruppe, ist erreicht. Ich schaue den anderen nicht beim Fastenbrechen mit gedünstetem Gemüse zu, sondern fahre früh morgens ab. Zufrieden mit dem, was ich gewagt und erreicht habe.

Für mich ging es zuhause noch drei Tage lang weiter. Der Moment des ersten Bissens nach zehn Tagen des Verzichts ist intensiv. Der Körper reagiert sensibel auf die zurückkehrende Nahrung. Der Apfelbrei ist zu süß, die Portion zu groß. Die nächsten Tage wirkt die Erfahrung des Fastens noch lange nach – nicht nur körperlich, sondern auch auf der mentalen Ebene. Immer noch ein wenig high, aber auch stets am Ausprobieren, welche Nahrungsmittel, wie, und wie viel mir guttun.

Fazit

Sieben Tage Hotel, drei weitere Tage daheim ohne Nahrung sind eine Herausforderung, aber auch eine Reise zu mir selbst. Die Fastenwoche zeigte mir wieder einmal, wie sehr mein Wohlbefinden von meinen Essgewohnheiten, aber auch meinem Lebensstil generell abhängt und wie befreiend es sein kann, bewusst auf Nahrung und Leistung zu verzichten und sich so eine richtige Auszeit zu gönnen. Ich werde es wieder tun. Das ist klar. Auch jetzt noch Wochen später bleibe ich bei regelmäßigem Kochen, vielen frischen Zutaten, und den Spuren einer Achtsamkeit, die immer wieder wie eine Notbremse wirkt, wenn es zu rund geht in der Achterbahn meines Lebens.

Dieselben drei Prinzipien, die mir auch beim Fasten begegneten – Mentales Reinemachen, Sport und Essen – sehe ich auch bei soYou. Ich bin froh, denn Fasten im Alltag könnte ich nicht mit meinem aktuellen High-Pressure-Lebensstil vereinbaren. SoYou hingegen, passt sehr gut rein. Probiert es doch selbst.